Willkommen im Dreck - Diesen Titel darf die Breslau mit Sicherheit und im positiven Sinne bekommen.

Würde ich es nicht besser wissen, könnte ich schwören, die letzten sieben Tage in einem Wüstensturm verbracht zu haben. Aufgewirbelter Sand, stundenlang über hunderte von Kilometern. Grafe und ich werden sicher noch ein paar Tage übel husten und sich die tausend Mückenstiche aufkratzen.

Bevor ich weiterschreibe, ein SUPERMEGAFETTES DANKE an Holger, der freiwillig und voller Freude alles mitgemacht hat, mit uns stundenlang am Auto gescharaubt hat, den besten Espresso der Welt irgendwo im Wald zaubern konnte und sich um die tausend kleinen Dinge gekümmert hat, die wir nicht mehr auf die Reihe gebracht hätten. Es gibt sicher nur wenig Menschen, die sich so kurzfristig halsüberkopf auf ein solch ungewisses Abenteueuer einlassen. Wer es nicht mitbekommen hat: Eine Woche der vor Rallye fiel unser Servicefahrer wegen Prüfungen aus. Wir starteten einen Hilferuf im offroad-forum.de und Holger war sofort zur Stelle (neben vielen anderen), um seinen Urlaub und Freizeit für uns zu opfern. Der Wahnsinn und einmalig, soviel Hilfe und Unterstützung.

Die Breslau war spitze. Nicht nur als perfekt organisierte Teamveranstaltung, sondern auch hinsichtlich der eigenen Erfahrung über sich und seine Grenzen. Wenn man mit Kopfweh aufwacht, muss man sich selber schon arg motivieren, um dann 200km Gelände im Turboganz entlagzuschruppen. Und wenn man abends so fertig ins Ziel kommt, dass man sich erst am nächsten Tag über die geschaffte Etappe freuen kann, weiss man in etwa, was wir dort erlebt haben. Den Rest findet man in den Videos, welche dem geneigten Zuschauer etliche Stunden Sand und polnischen Wandl zeigen, aber auch Grafe und mich mitten im Abenteuer.

An dieser Stelle möchte ich mich unbedingt ganz dolle bei Anna (Därr Expeditionsservice) + Franz bedanken, die meine kurzen Live-SMS so schnell ins Forum gestellt haben. Ich hätte gerne mehr geschrieben, viel mehr. Aber oft konnte ich es einfach nicht oder die Zeit war zu knapp.

Aber gehen wir mal in Media Res. Alles schaffe ich nicht auf einen Schlag, dass sind zuviele Informationen, aber ein bisserl was geht auf jeden Fall.

Die Defekte

1. Eine vordere Coilover-Dämpferhaltrerung abgerissen (mein Fehler, die Nähte waren frühe Versuche und heutzutage spachtle ich nicht mehr 1cm Luft zu)

2. 12to Hashi-Ken zerrissen, beim Bergen von einen FR Team aus dem Sumpf

3. Milemarker M8000 E-Winde (Heck) aufgeraucht beim Bergen eines FR Teams aus dem Sumpf

4. Komplette C200 VA geschrottet beim Versuch, einen LKW zu überholen und einer nicht bemerkten "kleineren" Bodenwelle.

5. Stoßdämpfer vorne verbogen

6. Dachscheinwerfer zerschlagen

7. Rückscheinwerfer komplett verloren (weggebrochen)

8. Fast-Fahrzeugbrand durch obskuren Handschuh am Auspuff

9. LIMA, wurde nach Prolog getauscht. War ggf. aber nur der vergammelte Plus-Schuh

10. Getriebe / Kupplung / Nehmerzylinder - Zwei Tage vor der Rallye Totalausfall

11. Hintere Bremse links festgebacken

Wie ich schon schrieb, sind wir wirklich nur auf Spass, Spannung und Teamwork gefahren. Das bedeutet im Klartext: Volle "Watze fahren", wenn man kann und sich im Duell mit anderen keinen Meter schenken. Aber auch immer anzuhalten und anderen zu helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Und beim Team Elag` Passion haben wir dies dieses Jahr sehr häufig getan. Die guten Emma-Leute konnten die vorletzte Etappe doch beenden, nachdem wir einen Crashkurs in Sachen "Der Stoßdämpfer ist für die Lenkung unwichtig und läßt sich bei abgerissener unterer Halterung in 30s ausbauen" gegeben hatten.

Teilweise sind wir sogar gezielt in Schlammpassagen gefahren oder haben mittendrin angehalten, um andere an den Haken zu nehmen.

Es war sehr schön, viele bekannte Gesicher wiederzusehen, neue Leute kennen und schätzen zu lernen.

Als kleinen Gag für den Zieleinlauf der letzten Etappe, haben wir uns ein oranges Rauchsignal aufs Dach gesetzt. Leider sahen dass nicht mehr so viele Leute, da wir aufgrund eines Fehlers im Kühlsystem Zwangspausen einlegen mussten, die nicht gerade kurz waren. Zudem haben wir auch mit den CP-Leuten ausgiebig geplauscht, wenn niemand hinter uns war. Außerdem war die Reifenwahl für die letzte Etappe absolute Grütze, wir hatten beim besten Willen keine Chance, an anderen dranzubleiben, weil die Silverstone im Sand so gut gehen, wie ein Sack Nüsse nach Indien. Der Motor hat sich fast totgedreht und wir kamen kaum vorwärts. Aber egal - Ankommen ist alles, Spass haben die Kür. Und nichts anderes zählt für uns.

Die Hydraulikwinde: Unser System auf hydraulischer Seite mit Pumpe vom Audi, selbstgeschweistem 8l Tank und Kühler (von ORE) hat sich sehr gut gemacht. wenn sie mal zog, dann gabs kein Halten mehr. Leider hatte sich ein Pneumatikschlauch für die Äußere Ansteuerung unbemerkt durchgescheuert, so dass wir sie in einigen wichtigen Momenten nicht zum Laufen im Langsamen Gang bekamen. Nach Bemerken und Reparatur, wars dann wieder bestens. Dazu noch eine technische Erkenntnis: Die Audi-Pumpe liefert 8l/min. Das reichte völlig aus. Aber man kan den kleinen Stopfen innen nicht entfernen, um eine größere Volumenförderleitung zu erhalten, denn diese Verengung sorgt für den wichtigen Staudruck bei hohen Drehzahlen. Ohne ihn, kommt es zur Kavernierung des Öls, wass nicht nur abstruse Vibrationen und Geräusche verursacht, sondern die Pumpe auch zerstören kann. Nach ersten Tests, haben wir uns einen neuen Stopfen gebaut und wieder eingesetzt, dann war alles wieder OK.

Das Prolux 12to Kunstoffseil war Klasse, hat alles mitgemacht und ein holländischens Team war schon ganz scharf darauf, sowas auch zu bekommen. An dem Seil konnten wir uns auch direkt aus dem Sumpf-Fluss ziehen lassen.

Aber lassen wir mal das technische Gefasel, ging es doch um die Rallye und die Frage: Alles oder Nichts? - Aber ankommen immer im Hellen.

Der Prolog: Den sind wir langgepfeffert wir zwei Jünglinge auf der Balz. Da war das Motto ganz klar: Auf Sieg. Und wäre da nicht dieser ominöse CP gewesen, wären wir auch unter den ersten 20 gelandet.

1. Etappe: Da hats dann geklappt. Alle CPs erwischt, gefahren wir Cold Sievers kurz vor der Tagesschau und eine nette Plazierung erhascht.

2. Etappe (Recz, Polen): Gewinnermodus aus, Abenteuermodus an. Die Charakteristik ist ganz anders, als in Senftenberg. Ein riesiger Truppenübungsplatz, auf dem man sicher Tagelang fahren kann, ohne eine Menschenseele zun treffen. Dazu Flüsse, Schilf und jede Menge Schlamm. Und wo Schlamm ist, sind Insekten und Brennesseln. Die stechen und jucken, was den Aufentalt dort zum Albtraum macht. Die 87km haben wir geschafft. Waren aber zum Ende hin fix und fertig. Auf der dritten Etappe mit 137km das gleiche Spiel. Ich selbst wäre im Ziel eigentlich nur noch ohnmächtig aus dem Auto gekippt.

4. Etappe: Marathon. Eigentlich fing alles so einfach an. Wir waren fit, motiviert und schnell. Leider zu schnell. Der "etwas größere" Zwangssprung zerstörte die Vorderachse. Und als wir dass ca. 10km später auch sichtbar bemerkten, weil Vortrieb im 4WD fehlte, wollten wir die Wertung auf jeden Fall beenden. Ging aber nicht, weil man mit 2WD nicht durch Schlammpassagen kommt. Umfahren war auch nicht drin, da dort die Forstbehörde parallele Wege abgesperrt hatte. Wir entschlossen uns dazu, abzubrechen und die 160km in nächste Camp zu fahren, was problemlos ging (auch wenn einige andere Verkehrsteilnehmer unsere Achse mit großen Augen beäugten).

5. Etappe: Marathon (über 200km in Wertung): Inzwischen waren wir wohl gut trainiert, die haben wir locker geschafft. Zwar auch mit starken erschöpfungserscheinungen abends, aber dennoch gut durchgekommen.

6. Etappe: Die war eigentlich schon ein Kinkerlitzchen, wäre da nicht der Ausfall der Kühlung gewesen. Aber wir konnten das Problem lösen, den Detroit-Berge-Truck wieder abbestellen, kamen fit zurück ins Camp und haben abends lecker gegrillt und geplauscht.

7. Etappe: Finale 2x40km Rundkurs. Autsch. Wie schon beschrieben, unser persönliches Armageddon. Erst fängt die Karre fast zu brennen an, dann steigt die Kühlung wieder aus und unsere Reifen wirken wie große Bleistücke. Dennoch erreichen wir das Ziel. Und darum ging es die letzten acht Tage: Ankommen.

Das Fahrzeug hat gehalten, auch wenn fast alles getauscht wurde. wir lassen es am Leben und verfeinern es weiter. Es war eine Erfahrung, die Grafe und ich auf jeden Fall machen wollten. Ging es doch auch darum, anderen, aber in erster Linie uns selbst, zu beweisen, dass wir keine Luschen sind, sondern auch ein Projekt mit aller Kraft und Anstrengung beenden können.

Die Videos - Livemitschnitte der ganzen Rallye aus dem Cockpit
Etappe 1, erste Wertungsprüfung: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe1-1.asf (141MB)
Etappe 1, zweite Wertungsprüfung: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe1-2.asf (101MB)
Etappe 2, komplett: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe2.asf (974 Mb)
Etappe 3, komplett: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe3.asf (974 MB)
Etappe 4, komplett: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe4.asf (425MB)
Etappe 5, Anfang: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe5-anfang.asf (342MB)
Etappe 6, Teil 1: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe6-1.asf (11MB )
Etappe 6, Teil 2: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe6-2.asf (68MB )
Etappe 6, Teil 3: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe6-3.asf (47MB )
Etappe 6, Teil 4: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe6-4.asf (240MB)
Etappe 7: http://www.brennabor.tv/breslau/etappe7-ziel.asf(460 MB)

Alle Videos können direkt angesehen werden und brauchen nicht vorher komplett heruntergeladen werden - Nur DSL nötig, da 366kBit/s Datenrate). Datenformat: MPEG4, Containerformat: Microsoft ASF (Advanced Streaming Format).

 
 
 
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